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vor Jahren

DAT WA’ VOR JAHREN

Vor ca. zehn Jahren kam ich an einem Kiosk vorbei. Da gabs einen Kasten im Angebot - für 14,99. Ja- da hab ich natürlich sofort zugeschlagen. Es war ein staubiger Sommer, superheiß, wo du manchmal denkst, du kannst nich mehr atmen. Trotzdem trug ich den Kasten die 500 Meter bis zu meiner Wohnung. Da ich ja nich blöd bin, hatte ich vorher zum Kioskmann gesagt:

- He, Kioskmann. Gib mal n paar aus dem Kühlo dazu!

- Klar. Aber isch heiß Klossmann, Jung - merk disch dat.

Auf jeden Fall hatte ich den Rahmen dann endlich nach Hause geschleppt. Rahmen hieß dat damals - wegen des Kunststoffrahmens um die 20 Pullen herum.

Na, also ich hab mir dann direkt die erste Gallone reingetan - hatte ja ganz schönen Durst nach der Plackerei. Kaum hatte ich die erste Einheit weggetankt, klingelts an der Haustür. Jedesmal dasselbe - kaum ist mal n frischer Kasten im Haus, kommt schon einer vorbei; die müssen dat riechen. Schön im Maßelshört geh ich an die Tür und drück den Knopf. Aber weder Uwe, Jürgen noch Allo kommen rein. Es war Esmeralda, das spanische Mädchen, mit der ich noch vor zwei Jahren auf der Schule war.

Nicht, daß mich das umgehauen hätte, aber mir schoß durch den Kopp, dat dat hier ja ganz schön scheiße aussah. Verschmutzte, verdreckte Bude und dann ich im Maßelshört - für sie wohl nicht das Richtige. Aber wieso kam sie überhaupt, hab ich mich gefragt. Ich muß sagen, ich war doch ein bißchen verwirrt - kein Wunder, so'n Bier an so'nm Tag - dat knallt ja schon. Sie war auch schon an meiner Haustür, ich hab ja damals im Erdgeschoß gewohnt.

- Hallo, Esma, hab ich gesagt, das ist ja geil, daß Du mich besuchst.

- Hallo, Olli, ich dachte, da ich jetzt ja nebenan wohne, komm ich mal rüber.

Das war ja'n Ding. Das Mädel war ins Nebenhaus gezogen und ich hatte keine Ahnung.

Ich bot ihr natürlich n Bier an. Das Lächeln von ihr als sie ablehnte hat mich ja schon ganz gut erwischt. Also hab ich die alte Kaffeemaschine von meinen Alten angeschmissen und ihr mal einen gepflegten Kaffeeflash zubereitet.

Ja, wir saßen dann auf'm Bett, ich hab mir noch ne Pulle aufgemacht und wir quatschten über dies und das. Also ehrlich - ans Ficken hab ich überhaupt nicht gedacht, obwohl Esma echt ne richtig klasse Frau iss. Wir fanden uns ja schon früher ganz klasse - aber da iss nie was gelaufen.

Das, was wir geredet haben, das war nix Tiefsinniges - auch nich übers Wetter, so auch nich; aber eher über unsere ersten Wohnungen; sie hatte angefangen zu studieren, und ich hatte gerade einen Aushilfsjob im Lager bei Karstadt.

Irgendwann hab ich dann mal ihre Hand genommen und zum ersten Mal seit langem gesehen, daß es echt geiler iss, die Hand von einem schönen Mädchen zu halten statt einer harten Bierflasche.

Ich hab ihr dann auch noch nen Kuß gegeben - ganz unschuldig als wie bei Kindern. War ja auch n bißchen so. Aber mit wilder Knutscherei war die ganze Zeit nix. Wir hingen einfach n bißchen rum. Ich sach Euch, ich war echt froh, daß keiner von den Jungs gekommen ist, um mir den Kasten wegzusaufen.

Auf jeden Fall war das geil als ich sie geküßt hab, ganz sanft mit meiner Oberlippe an ihre Unterlippe angedockt. Der Kaffe war dann kalt und das Bier schal. Weil, wenn man nach Bier stinkt, finden das die Frauen ja nich so toll.

Draußen schien immer noch der Tag als sie dann meinte, sie muß gehen. Klar, daß ich ihre Telefonnummer haben wollte, auch wenn sie um die Ecke wohnte. Als sie dann weg war, hab ich erst mal eine Pulle aus'm Kühlschrank geholt und mir n kalten halben Liter gegönnt. Ich fühlte mich so wie heute wenn ich ne E drinhabe. Muß wohl so sein, dachte ich, wennde ne Alte klasse findest.

Ich hing dann noch n bißchen auf'm Sofa rum, hab die Glotze ein- und ausgeschaltet und mir noch n paar Pullen reingetan.

Raus wollte ich nich mehr, es rief auch niemand mehr an; also der Abend endete so wie immer: ich war gut besoffen und hab mich dann hingehauen. Mit Träumen iss dann ja meistens nichts - scheißegal - hauptsache geil pennen!