GO RISTAU
GIESO RISTAU
OLIVER RISTAU
KONTAKT
Impressum
Mission 2

Dr. Herzler - Mission Two

Dr. Herzler steht in der Schlange vor einer Kasse bei Aldi. Sein Einkaufswagen ist lieblos gefüllt mit Konserven und anderem Schmutz. Die Omas vor ihm brauchen Jahre, um ihr Geld rauszuholen und zu bezahlen. Scheiße, denkt Dr. Herzler, die haben doch den ganzen Tag nichts zu tun, müssen die unbedingt jetzt ihre Einheiten kaufen.

Geht das nicht mal ein bischen schneller da vorne. Hey, Oma - was kaufst du da? Gibt's nicht genug im Altersheim?

Ein ca. 16jähriger Türkenbursche fängt an zu lachen, ansonsten ist es still, bis die Oma ihm zuruft:

Dr. Herzler, ich muß sie um Entschuldigung für meine Langsamkeit bitten, aber ich bin alt.

- Und überflüssig, ergänzt Dr. Herzler.

Wieder brüllt der 16jährige vor Lachen, während der Rest der Schlange form- und willenlos schweigt. Jetzt mischt sich die Kassiererin ein und wendet sich an die Oma:

-  Mein Freund hehlt mit Knarren. Soll ich Ihnen eine 45er...?

- Aber, gutes Kind. Wie könnte ich. Das ist doch Dr. Herzler, der beliebte Wissenschaftler.

- Mein Freund übernimmt auch Dienstleistungen.

- Na gut, Kindchen. Sagen Sie ihm, er kann mich einmal anrufen. Sie haben ja meine Nummer noch wegen der letzten Beschwerde.

Nun meldet sich wieder Herzler zu Wort:

- Das kann doch nicht wahr sein. Halten Sie doch nicht noch mutwillig den Verkehr auf. Ihre Gehirne können doch gar nicht so schnell so viele Worte produzieren, die Sinn machen.

Ein mittelalter Mann aus der Schlange erhebt die Stimme:

- Herzler, nun ist es gut. Zeigen Sie sich doch tolerant.

- Toleranz ist schön und gut, wenn man Zeit dafür hat. In meiner vielbeachteten Sendung "Herzler's coming" habe ich kürzlich zum Thema "Toleranz am Ende der industriellen Revolution" einige Ausführungen mit der These abgeschlossen, daß nur derjenige tolerante Einstellungen zeigt, der ausreichend Wohnraum zur Verfügung hat. Man hat mir spontan eine Professur an einem Lehrstuhl für vergleichende Sozialanalytik angeboten. Ich möchte hier nur soviel sagen...

- Legen Sie endlich ihre Sachen auf das Band, unterbricht ihn der mittelgroße Mann. Die Kassiererin sieht Herzler voller Widerwillen an:

- Ihr Gerede macht mich krank. Der Job an der Kasse ist schon bitter genug. Aber Leute wie Sie, Dr. Herzler, sollten öffentlich bespuckt werden.

- Daß Sie sich schlecht fühlen, liegt an Ihrer miesen Ernährung. Sie sollten davon Abstand nehmen, dauernd Dosen-Ravioli zu essen. Im übrigen ist es normal, daß der Pöbel einen großen Geist verhöhnt.

- Einunddreißig, achtundsiebzig. Zahlen Sie bitte alles sofort und verschwinden Sie; Sie leiden doch offensichtlich unter einem zu kleinen Schwanz.

- Ha,ha. Der wahre Schwanz eines Mannes windet sich durch sein Gehirn. Er ist in der Lage, eine Ejakulation über Stunden aufrechtzuerhalten. Das kann das Ding zwischen den Lenden nicht, ha.

- Das ist ja ekelhaft, ruft eine Frau um die 20 von den Bierpaletten herüber. Der Herzler ist doch ein Kinderschänder.

- Ich muß sagen, so Herzler weiter, daß ich bei kleinen Mädchen in der Tat...gut, aber ich muß jetzt gehen. Schalten Sie alle heute abend wieder meine Sendung ein. Es geht diesmal um "Zukunftsentwürfe für ein Leben mit Haustieren".

 

Abends im Fernsehen auf OHL läuft um 21.45 Uhr wieder "Herzler's coming" - eine Sendung, die trotz mäßiger Einschaltquoten nicht abgesetzt wird. Es wird gemunkelt, daß Herzler die Vorstandsetage von OHL über Fragen zum Masochismus berät.

- Guten Abend, meine verehrten Zuschauer. Heute bei "Herzler's coming" geht es um das Thema "Zukunftsentwürfe für ein Leben mit Haustieren". Danke. Vielen Dank. Ich bin sicher, sie werden es wieder einmal kaum wahrnehmen, wie schnell die Zeit an Ihnen vorbeiziehen wird, denn auch heute biete ich Ihnen: Lebensweiheiten, Tips und Tricks für Jedermann, präzise Analysen - na,na, wer hat da so dreckig gelacht, Sie da vorne, Sie dachten doch wieder an den Austausch von Körperflüssigkeiten beim Begriff der Anal-yse, hahaha - danke, vielen Dank, und selbstverständlich präsentiere ich mich wieder mit interessanten, illustren und informierten aber auch individuellen und vielfach interessierten Gästen.

So - zunächst werfen Sie einen Blick auf meine attraktive Assistentin Martha - ja, jaaa, ooh, oooh, jaa, aah - hervorragender Anblick wieder, Martha, Herzlers Engel - da hör ich auch schon die ersten Stimmen aus dem Publikum. Schalten Sie bitte Ihre Mikrobox ein - der Herr da vorne mit der grünen Brille, ja Sie. Was sagen Sie? Sprechen Sie bitte in die kleine Tube!  "Martha, ich will dich nackt sehen. Du Sau, ich muß..."  Danke, das reicht. Jetzt vielleicht die dicke Dame ganz hinten - mit dem Kompotthütchen. "Als ich jünger war, hatten meine Titten immer so komische Druckstellen. Ich bin damals zum Arzt gegangen, und ich glaube, daß auch Martha damit zu kämpfen hat".  Danke, für diesen qualifizierten Beitrag - am Ende der Sendung können Sie sich den Zuschauerpreis abholen - heute ist es eine frische Mandarine - das passt ja vielleicht ganz gut zu den von Ihnen angesprochen Problemen.

So - vielen Dank. Ich freue mich jetzt, Ihnen meinen ersten Gast vorstellen zu können - er sorgte in den letzten Wochen für Schlagzeilen in allen Gazetten der Republik. Seine Methoden mögen rüde sein; abstoßend und abartig. Für viele ist er wohl nicht mal mehr ein Mensch. Ich aber bin glücklich, ihn Ihnen heute abend präsentieren zu können. Begrüßen Sie jetzt bitte mit mir den bekannten und umstrittenen, facettenreichen und perversen TIERQUÄLER VON ITZEHOE, Joachim Pausch.    APLLLLAUUSS

- Herr Pausch, ich bin froh und freudig erregt, daß Sie meiner Einladung gefolgt sind. Und da muß ich mich auch gleich bei der Gefängnisverwaltung von Itzehoe bedanken, daß sie Herrn Pausch, diesen illustren aber auch gefährlichen Mann mit den spitzen Eckzähnen, Freigang gewährt hat.  APPLAUS

Herr Pausch, Sie leiden ja offensichtlich unter motorischen Störungen, Ihr Armzucken ist nicht zu übersehen. Fehlt Ihnen jetzt im Gefängnis nicht das Gefühl, ein Tier quälen zu können.

- Ja, Dr. Herzler. Aber ich helfe mir damit, daß ich Asseln und Spinnen zertrete. Danach geht's zumeist ein bischen besser.

- Hatten Sie eine glückliche Kindheit, Herr Pausch? Was haben Sie am liebsten gemacht und wofür haben Sie die meisten Schläge bekommen?

- Für ein und dasselbe, wenn ich Frösche gefangen und sie bei 60 Grad in den Backofen gelegt habe. Das war lustig, wenn sie von innen gegen die Herdklappe sprangen. Schön war's, als meine Eltern einen neuen Herd mit einer gläsernen Klappe gekauft haben. Da konnte ich dann das Licht einschalten und den Fröschen beim Verrecken zusehen, haha.

- Und weshalb haben Ihre Eltern sie dann geschlagen?

- Ja, äh, Mutter, weil die Frösche immer den Herd dreckigmachten und Vater wegen des Stromverbrauchs.

- Herr Pausch, Sie sind in der Öffentlichkeit dadurch aufgefallen, daß sie Enten im Park gefesselt und dann versucht haben, ihnen einen Einlauf mit einer Tube Mayonaise zu verpassen. Ein Kind hat Ihnen dann seinen Sack Murmeln an den Kopf geworfen und die Enten befreit. Sie wiederum konnten flüchten, und sind bei dem Versuch, dem Kind am folgenden Tag einen lebenden Frosch in den Mund zu stecken, überrascht, gefesselt und geknebelt worden. War das sehr demütigend?

- Ja, ich wollte doch nur ein paar Tiere auf kreative Weise beseitigen. Ich tat es nicht für mich, sondern für Alle.

- Ah - es war etwas wie ein gesellschaftlicher Auftrag.

- Ja, Ja. Ein Leben mit Tieren ist doch schrecklich. Es beschmutzt einen unerträglich. Wir müssen wieder rein werden und ohne Tiere leben. Das ist meine Botschaft an die Welt draußen.

- Hervorragend, Joachim, ich darf doch Joachim sagen ? Eine Botschaft, sehr schön. Was empfehlen Sie denn, Jo, Tierbesitzern von morgen ? Ausstopfungen, Photographien, Gesellschaftsspiele ?

- Nein, Nein, Doktor! Sie sollen alle Tiere haben. Und Sie schnell umbringen, Ihnen beim Krepieren zusehen. Das verursacht ein befriedigendes Gefühl der Reinigung, der jungfräulichen Reinheit, der Befreiung, der göttlichen Gnade - aaah.

- Beruhigen Sie sich, Pausch. Sie haben ja Schaum vor dem Mund. Aah - da ist ja auch schon unser Arzt - Doktor med. Konitzke  APPPLAUS

So, Doc, jetzt verabreichen Sie unserem Pausch mal eine gute Dosis von Ihrem Gemisch. Haha - man sieht schon wie er sich beruhigt und der Schaum trocknet. Danke Doc - Doktor med. Konitzke  APPPPLAUS

Vielleicht sollten wir jetzt einmal ein paar Anmerkungen aus dem Publikum zulassen, ja Herr Pausch? So- wer möchte? Ah ja - Sie, bitte!

"Herr Pausch, meine 18jährige Tochter schwärmt so von Ihnen, darf Sie sie einmal im Gefängnis besuchen? Sie hat extra ein Lied für Sie geschrieben. Sie sitzt hier neben mir: darf sie es einmal singen?"

- Aber, ja - bitte, sie soll es zum besten geben, nicht Pausch, das ist toll. Kozner, geben Sie ihr doch ein richtiges Mikro - dann muß sie nicht in die Tube singen. Ja, super, das geht ja alles wieder mal richtig fix heute. Ja, fangen Sie an, junges Kind, bezaubernd, nicht wahr. Applaus für die kleine - na wie heißen Sie? "Sybille". Sybille! Applaus für unsere kleine Sybille.  APLLLLLLAUUUSS

"Freiheit für Achim Pausch, Freiheit für Achim Pausch, er muß hier sofort raus - muß sofort raus.

Er wollte doch nur Enten quälen - jetzt muß er sich selbst einen schälen, selbst einen schälen.

Ist er nicht ein toller Mann - quält die Tiere so gut er kann, so gut er kann.

Ich möchte mit ihm angeln gehn, viele Fische masakrieren sehen, masakrieren sehn.

Freiheit für Achim Pausch, Achim Pausch. Freiheit für Achim Pausch, Achim Pausch. Laßt ihn sofort raus, laßt ihn raus!"    APLLLLLLLLLLAUUUUSSS - (Bravo-Rufe)

Ja, wunderschön dieses Lied, Sybille. Herr Pausch, was sagen Sie?

- Danke, Danke Ja, äh, also, ich, ich bin ganz gerührt - aber Fische habe ich noch nie masakriert. Aber vielleicht könnte ich wenn ich wieder draußen bin, mit Ihnen, Sybille, einmal, äääääh, meinen Fisch, also ich meine, Sie könnten ja mal den Fisch, äääääh, also ich meine, meinen Fisch...

- Danke, das muß reichen, die Zeit läuft uns davon. Ja, meine Freunde. Die Zeit vergeht nur relativ, wie wir seit Einstein wissen. Das ist die Ursache dafür, daß "Herzler's Coming" immer wieder so schnell vorbeigeht. Aber noch ist nicht Schluß. Aber Herr Pausch, ich muß jetzt weitermachen. Zum Abschied schenke ich Ihnen noch einen Osterhasen aus Marzipan. Da haben Sie dann noch ein bischen Spaß im Gefängnis. Hahaha. Vielen Dank, Herr Pausch. Verehrte Gäste, das war Joachim Pausch aus Itzehoe. APLLLLLLLLLAUUUUUSSS - (Hoch-Rufe).

Wir dürfen nicht vergessen, das unsere Thema ja "Zukunftsentwürfe für ein Leben mit Haustieren heißt". Herr Pausch hat Ihnen und mir eindrucksvoll eine Option aufgezeigt, wie in Zukunft das Zusammenleben von Mensch und Tier noch attraktiver und intensiver werden kann. Unser folgender Gast wird das Spektrum um eine weitere Facette bereichern. Auch von ihm wurde und wird in der letzten Zeit viel gesprochen - der Grund? Das ist seine ganz spezielle Dienstleistung, die auf viel Gegenliebe stößt und genauso kontroverse Diskussionen auslöst. Für eine Erweiterung seines Geschäftsbetriebes hat er die Auseinandersetzung nicht gescheut und wurde deshalb von Fanatikern bereits tätlich angegriffen. Er ist dick, er riecht nach Öl, er hat sich die Fingernägel geschnitten. Hier ist Kurt Braskowitz, der bekannte Pommes-Buden-Besitzer aus Schwäbisch-Hall, der in seinem Grill neben Hähnchen jetzt auch Katzen und Hunde am Drehspieß schmoren läßt. APLLLLLLLAUUUSS

Das ist Herr Braskowitz. Guten Abend, Herr Braskowitz. Herr Braskowitz, lassen Sie mich anfangen mit einer Frage über Ihre älteste Tochter. Sie arbeitet in einem Tierschutzverein und hat Sie öffentlich als Sodomist bezeichnet. Ist es richtig, daß Sie sich gerne an Tiere heranmachen und mit ihren dicken Wurstfingern befummeln?

- Nein.

- Aber es ist richtig, daß Sie das Ihren Stammgästen am Abend nach Geschäftsschluß anbieten, und diese Tiere - unterbrechen Sie mich nicht - am folgenden Tag als Tagesgericht anbieten?

- Nein, Herr Dr. Herzler, das ist nicht richtig. Ich habe kein Verhältnis zu den Tieren, bis sie am Spieß hängen. Manche meiner Stammgäste haben mir aber schon ihren Hund oder ihre Katze mitgebracht; was die mit denen vorher gemacht haben, weiß ich allerdings nicht.

- Ich bin sicher, das Publikum wird interessieren, warum die Gäste Ihnen Ihre Haustiere anbieten.

- Ja, das ist das besondere an meiner Pommes-Bude. Ich biete auch Vegetariern die Möglichkeit, bei mir zufriedengestellt zu werden...

- Herr Braskowitz, ich will nichts über Ihre Angebote im Hinterzimmer erfahren. Zu diesem Thema könnte ich das halbe Land einladen. Heute geht es um Sie und die Haustiere.

- Ja, das ist es ja. Wem das Tier zu Hause auf die Nerven fällt, weil es ständig Dreck macht, stinkt und Geräusche von sich gibt, der hat die Möglichkeit, seinen kleinen Liebling zu mir zu bringen, und ich grille ihn dann. Danach kann er ihn wieder mitnehmen und ins Körbchen legen. Wer kein Haustier hat und sich ein pflegeleichtes wünscht, kann bei mir auch jederzeit ein Grilltier mitnehmen, ich habe auch formschöne Deckchen und Körbe im Angebot, die sehr gut zu den kleinen Tierchen passen.

- Ja, das ist phänomenal, eine völlig neue und vielleicht zukunftsweisende Art und Weise der häuslichen Tierhaltung. Hierzu wollen wir einige Zuschauer auf dem Vorplatz zu Wort kommen lassen, die auf einer großen Leinwand unsere Show verfolgen. Ritchie - schalt doch mal an. Ah - wieder gut gefüllt der Platz. Und wieder die Gruppe mit meinem Lieblingsplakat "Herzler, du Scheiß-Baier, dir schneiden wir ab die Eier" - sehr schön. Und dort ein neues Plakat - die Kamera soll mal ranfahren - "Hast du geile Agression, mach aus der Sau nen Champignon" - na ja, schon besseres gesehen. Was sagt die Frau dort? Gebt Ihr das Mikro "Herzler, Du Kinderschänder! Wir bringen dich um, wenn du rauskommst. Dann kannst du morgen beim Braskowitz am Grill hängen".

- Danke, das ist ausreichend. Jetzt einmal jemand anderes.

"Super Idee mit dem Hundegrill, dann scheißen die Mistviecher nicht mehr so viel voll. Der muß in jeder Stadt Filialen eröffnen. Ich bin Banker. Ich besorg ihm Risikokapital."

- Ja, hervorragend, Herr Braskowitz, hier bahnen sich erste Geschäftsbeziehungen an. So jetzt noch eine Stimme:

"Herr Doktor mein Sohn hat Drogenprobleme, er spritzt Ecstacy. Was kann ich tun?"

- Jaha, meine Dame, da helfe ich Ihnen gerne. In meiner weitbeachteten Publikation "Ausfahrt Horrortrip" komme ich zu dem Ergebnis, daß Drogensüchtige ein Mehr an Lustgewinn durch ein Weniger an gesellschaftlicher Akzeptanz erkaufen. Den Kreis kann nur durchbrechen, wer bereit ist, auf beides zu verzichten. Vielen Dank, Danke meine Damen und Herren. So, wir haben für Herrn Braskowitz hinter der Bühne einen Grill aufgebaut. Sie dürften schon das ranzige Öl riechen. Nach der Sendung sind alle eingeladen, an seinem reichhaltigen Angebot zu schnuppern. Bevor ich mich von Ihnen verabschiede, möchte ich noch auf meinen neuesten Beitrag für das Wirtschaftsmagazin "Basar" hinweisen, in dem ich die volkswirtschaftlichen Vorteile einer flächendeckenden Reduzierung der Haustiervielfalt deutlich beschreibe. Ja, meine Damen und Herren, kommen Sie ruhig schon mal auf die Bühne. Was Sie mit Herrn Braskowitz veranstalten, ist mir ziemlich gleichgültig, aber probieren Sie seine Delikatessen. Zum Ausklang zeigen wir Ihen noch einen Film von einer Schachpartie aus der Stadtliga Essen. Hier können Sie einige bemerkenswerte Züge beobachten. Finden Sie selbst heraus, was an diesen außergewöhnlich ist. Die Zuschauer, die jetzt schon abschalten wollen, können die zweistündige Schachpartei auch auf Videoband gegen eine Schutzgebühr von 35 DM bestellen. Das war's dann aber auch. Es hat mich gefreut, daß Sie meine Gäste waren. Wenn Sie mich suchen, Sie wissen ja, wo Sie mich finden.

 

Nach der Show verläßt Dr. Herzler das Studio durch den Hintereingang. Seine Bodyguards schützen ihn vor der hypnotisierten Menge.

"Hängt ihn auf, das Schwein! Macht aus seinen Dingern Eiersalat ! Schweißt und scheißt ihm das Maul zu ! Werft ihn in den Müll !"

Auf einem Plakat steht:

"Herzler Du Kanacke

Wenn ich dich zu fassen krieg

Das ist dann ein schöner Sieg

Dann frisst du meine Kacke"

Eine Gruppe Studenten skandiert: "Kapital, Profit und rechter Arm - der Herzler ist ihr Furz im Darm". Andere werfen Blumen und Stofftiere. Sie rufen: "Ich will ein Kind von ihm - Herzler muß Kanzler werden - Viva, viva, Herzler, viva". Und endlose Herzler, Herzler, Herzler, Herzler - Rufe.

 

Dr. Herzler kommt nach Hause. Er wundert sich nicht darüber, daß seine Wohnungstür angelehnt ist und das Licht brennt. Er ist es gewohnt, daß die Leute ihm die Tür zu seinem Appartement im 8. Stock gewaltsam aufbrechen. Meistens sitzen dort entrüstete Frauen auf den Ledersesseln und werfen Herzler wüste Textpassagen über. Seltener sind begeisterte Anhänger. Diesmal ist der Besucher ein 35jähriger Mann in grauem Anzug.

- Da sind Sie ja, Herzler.

- Was kann ich für Sie tun ? Stehen Sie bitte nicht so unruhig rum ! Nehmen Sie sich einen Drink aus der Bar und setzen Sie sich !  - Danke, so ist es angenehmer.

- Sie wundern sich nicht, daß ich hier bin ?

- Das ist normal, daß sich hier fremde Personen aufhalten. Sind Sie auch konservativ zu den von mir präsentierten künftigen Lebensformen mit Haustieren eingestellt ? Ich sage Ihnen eins: Wenn wir glauben, wir könnten unsere Tiere halten wie bisher, vertrauen wir auf einen Irrtum. Ich möchte Sie auf meinen Bericht für den Minister für Umwelt, technischen Fortschritt und Tiersicherheit hinweisen. Diesen beende ich mit der Empfehlung, Tierleasing einzuführen. Sie können dann...

- Ich interessiere mich nicht für Tierleasing. Ich habe auch gar nicht die Zeit...

- Das ist es ja gerade. Aber bitte, trinken Sie doch Ihren Whiskey. Für Menschen, die wenig Zeit haben, ist es ja gerade gedacht.

- Genug geredet, ich bin nicht zum Spaß hier. Sehen Sie das hier ?

- Das ist ja eine 45er! Sie wollen zu einer meiner nächsten Shows zum Thema "Schußwaffengebrauch in der Kirche" Stellung beziehen. Das ist hervorragend. Ich bin mir sicher, daß übertriebener Pazifismus den Gläubigen die Waffen regelrecht in die Hände treibt.

- Mir egal. Ist doch alles Scheiße am Stiel mit Kotzglasur. Ich weiß nichts von Gläubigen. Auf jeden Fall ist das eine 45er. Und damit mach ich nen Abdruck von Ihrem Gehirn an der Wand.

- Aber, ich bitte Sie. Sie haben bestimmt Hunger. Holen Sie sich ne Pizza aus dem Eisfach. Die ist in einer halben Stunde fertig. Bitte, nein, schütten Sie doch nicht Ihren Drink über mein Manuskript ! Was soll das denn jetzt ? Sie werfen das Aquarium aus dem Fenster. Das ist übertrieben. Obwohl, angesichts neuer Zukunftsperspektiven für ein Leben mit Haustieren ein interessanter Aspekt. Nein, nein, ich erzähl Ihnen eine Geschichte: Ein ferner Rennfahrer bereitet sich...

- Schnauze jetzt! Das ist für die Oma von heute aus dem Supermarkt. Meine Freundin ist Kassiererin bei Aldi, du Eigelblutscher. Die Oma bat mich, Ihnen zu zeigen, wie die Uhr gestellt wird.

- Aber das ist mir durchaus bekannt.

- Sie verstehen mich nicht. Ihre Zeit soll ich einstellen.

- Sie meinen die Stunden. Ich seh schon, Sie meinen meine Stunden. Verdammt, ich hab sie letztens gezählt. 350 Tausend ungefähr. Werden wohl keine 400 mehr, meinen Sie ?

- Hören Sie sich an, was diese 45er dazu zu sagen hat !

Später in der Unterwelt

- Übler Dreck, ich muß mal ficken.

- Gibt's hier nicht.

- Ich kann mich nicht beherrschen.

- Herzler, achte auf den Sonnenuntergang.

- Ich kann nicht, mir kommt's aus den Ohren raus.

- Dann wirst du mich nicht mehr verstehen können.

- Ich bitte, gibt mir zumindest was zum lutschen.

- Hier hast du einen Gürtel. Küß die Schnalle, Herzler !