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Early Mission

Dr. Herzler - Early Mission

Während der Studienzeit wohnte Herzler in einer schäbigen Hütte, die für ein paar hundert Mark an mittellose Studierende vermietet wurde. Einen Raum, eine kleine Küche und ein Mini-Badezimmer - heißes Wasser aus dem Boiler, maximal 5 Liter; das Studium litt aber nicht - im Gegenteil, seine Erfahrungen wuchsen von Semester zu Semester.

Natürlich studierte er verschiedene Ingenieurswissenschaften - in der Regelstudienzeit, versteht sich. Damit meinen wir die vorgesehene Studienzeit, und keinesfalls die Zeit, in der Herzler die Eigenheiten weiblicher Fruchtbarkeitszyklen studierte - haha, tiefsinniges Herzler-Wortspiel - wenngleich beide Dinge in der Tat zusammenfielen.

Ein Zufall ? Nein, nein. Die Menschen - zu denen, zugegeben, Herzler von einigen nicht mal mehr gezählt wird -; die Menschen kreieren alle Situationen ihres Lebens selber.

Und unser strebsamer Student entdeckte die Regel, indem er unbewußt danach suchte; und da es unbewußt war, verlor er damals und bisweilen heute noch die Containance, wenn die Rede von der Regelstudienzeit war.

Aber, aber Herzler, was ist denn mit Ihnen? Sprechen Sie Sich Nicht auch aus eigenen erfahrungen für eine verkürzung der regelstudienzeit aus? Warum stottern Sie, heute, an dem Tag, wo wir ihnen ihr examen überreichen? Reichen in der regel nicht drei statt bisher vier jahre aus, um alles entscheidende zu erfahren.

Ich habe versucht, die regel zu studieren.

Bitte, was haben sie, herzler? Sie röcheln ja und wirken ein wenig verwirrt - na ja, das muß die aufregung sein; heute ist mit sicherheit der aufregendste tag in ihrem jungen leben.

Nein, der aufregendste tag war, als ich die regel entdeckte.

Der körperlose und verklemmte Professor wußte mit dieser Bemerkung nichts anzufangen, obwohl er eigentlich widerlich genug war, entsprechende Assoziationen zu erleben. Da er es aber nicht verstand, ermunterte er unseren Freund auch nicht, ihm dies einmal näher zu erklären. Denn als Professor kann man sich jede Geschmacklosigkeit leisten, nur nicht die der Unkenntnis.

Herzler ging zwar manches Mal auf die Studentenparties - Mädchen hat er aber dort ebensowenig kennengelernt wie früher auf der Schule. Denn auf den Parties waren wie in seinem Fall meistens doch nur die Köpfe vertreten; alles, was der Körper noch zu bieten hatte, war abgeschnallt. Auch die Studentinnen hatten ihren Körper zu Hause gelassen. Arme und Beine und was sich dazwischen befindet wurde nur rein mechanisch eingesetzt, nach allen Gesetzen der Bewegungslehre, so z.B. zum Gehen, Getränke nehmen und wegziehen, zum Pinkeln und maximal zum  Tanzen.

Statt dessen wurde diskutiert bis morgens um drei und/oder sich besoffen.

So konnte er manchmal mit einem verdammt häßlichen Exemplar die Eigenheiten des Drehmoments besprechen. Es gab aber auch Soziologiestudentinnen mit Mundgeruch, die Herzler gegenüber die Stellung der Frau anprangerten. Leider fehlten ihm die Erfahrung und Entspanntheit, um mit einer lustigen Bemerkung wie „Stellung der Frau? Egal ob von oben oder von unten“ für Stimmung zu sorgen. Diese Stimmung hätte allerdings auch Tritte in seine Weichteile provoziert - natürlich pazifistisch rein verbal.

Manchmal bekam er so ein komisches Gefühl im Bauch und der Lendengegend, das kommt ja bei dem steifesten Professor und dem verklemmtesten Eckensteher vor; aber selbst in Peep-Shows ging er nicht.

Um sich die Studien finanzieren zu können, hatte er die Prüfung zum Taxifahrer abgelegt. Ihn faszinierte der Verbrennungsmotor, und als Junge wollte er gerne Leiter eines Motorenwerkes werden.

Herzler besaß in der Tat sogar die Leidenschaft zu fahren. Er durchquerte die Stadt auf der Suche nach Geld und Abenteuern. Dass mit den Abenteuern nahm er selber nicht wahr. Es war ihm nicht bewußt, dass er mehr vom Leben aufzusaugen versuchte als das Wissen, das in Büchern steht.

Also fuhr er von Platz zu Platz, Stadt ein, Stadt aus, früh bis spät, schnell und schnell.

Nach einer Zeit fand er heraus, daß vor dem Roxy's bei Nacht regelmäßig betrunkene Studentinnen einstiegen - süße Dinger, die nicht mehr durch das abweisende Industriegebiet zu Fuß gehen wollten. Herzler stellte mit Überraschung fest, daß er aus unerfindlichem Grund mit mancher von ihnen gerne durch die alten Industriestätten gegangen wäre.

Er mußte überdies feststellen, daß die jungen Schnecken zumeist sehr kurz waren, wenn sie nüchtern in seinem Wagen saßen.

Zur Kaiserstraße bitte !

Wolang möchten sie fahren ?

Ist mir egal.

Hatten sie einen schönen abend ?

Bitte ?

Ich fragte, ob sie einen schönen abend verbracht haben.

Warum fragst du ? Fahr bitte - ich will nach hause.

Mit einem „JA“ von Herzler war das Gespräch damit beendet

oder:

Zur Kaiserstrasse bitte !

Sehr gern. Sie haben schöne kräftige waden, hab ich beim einsteigen gesehen. Treiben Sie Sport ?

So, so kräftige waden. Fahren sie einfach zu.

Entschuldigen sie, sie riechen nach wein. Haben sie welchen getrunken ?

Hör mal zu, mein junge, du hast wohl probleme. Fahr mich einfach in die kaiserstrasse.

Das mach ich ja - mich interessiert aber einfach...

mir egal, was dich interessiert. Ich sag dir ja auch nicht, daß du häßlich bist. Und komm nicht auf die idee, mich anzufassen !

Herzler blieb nach solchen Dialogen immer ein wenig verstört zurück. Zumal es fast nie vorkam, daß eines der süßen Weibchen, nachdem er zum Ende der Fahrt 12,80 gesagt hatte, noch bemerkt hätte:

War nicht so gemeint

oder wenigstens

Gute Fahrt noch

oder wohlmöglich

willst du nicht mit hochkommen ?

Viele der Mädels hatten außer Geld zur Begleichung des Fahrpreises nur eines für den studierenden Herzler übrig: Verachtung.

Aber Herzler war so unbedarft, daß es ihm trotzdem nichts ausmachte und die tiefe Hoffnung nach Abenteuern weiter in ihm schlummerte.

Deshalb fuhr er vor allem am Wochenende immer und immer wieder auf den Taxiplatz vor dem Roxy's auf und wartete gegen die späten Stunden auf betrunkene Studentinnen, die nicht mehr durch das tote Industriegebiet zu Fuß gehen wollten.

Logisch durchdachte Pläne müssen beileibe nicht funktionieren - bei Herzler und in diesem Falle war die Logik aber vermischt mit unbewußten Wünschen, und so klappte es eines abends/nachts denn auch:

eines samstags Nachts gegen halb drei stieg eine dunkelhaarige junge Frau in Herzlers Wagen ein. Herzler sah ihren glasigen Blick, der nach Alkohol roch. Es war ein warmer Frühsommertag gewesen. Sie trug einen schwarzen Rock, der bis zu den Knien reichte. Eine Strumpfhose fehlte und ihre Füße steckten in modischen aber billigen, halbhochhackigen schwarzen Schuhen.

Zur Rippholzstrasse,

sagte sie und gluckste dabei - sie hatte ganz schön Schlagseite.

Herzler freute sich, denn das war auch noch eine gute Tour in Richtung Vorstadt.

Na, schön gefeiert ?,

fragte Herzler. Das Make-Up der jungen Frau war etwas verlaufen - sie hatte offensichtlich getanzt.

Ja,

sagte sie tonlos,

war schön.

Sie war ganz gut dabei.

Was läuft denn da für Musik im Roxy's ? Ich war nocH nie da.

House,

antwortete sie einsilbig.

Und - warum fahren Sie allein nach Hause ? Haben Sie keinen Freund ?

Herzler sprach wie mit einem Kleinkind. Die Frau merkte es nicht - sie hatte gut getankt. So antwortete sie auf Herzlers penetrantes Fragen:

Ich hab keinen Freund. Ich will nach Hause in mein Bett.

Als Herzler an der nächsten Ampel halten mußte, schaute er nach rechts. Das süße Ding hatte die Augen geschlossen. Seine rechte Hand ruhte noch auf dem Gangknüppel. Jetzt berührte sie schon ihr linkes Knie, das der hochrutschende Rock freigab.

Schnell ließ er seine Hand nach oben gleiten - dabei schob er den Rock weiter hoch. Das Mädchen kicherte ein wenig - besoffen von ein paar harten Drinks und Wein -; so viel tranken die Mädchen nur am Wochenende, wenn sie auf der Piste waren - mit einem Herzler im Taxi rechnete keine.

Sie regte sich nicht weiter, ihr Kopf kippte nach rechts. Als Herzler anfuhr, hatte er ihren Slip erreicht, an dem er etwas herumfummelte. Aber genau wußte er auch nicht, was er da wollte. Außer daß es sich weich darunter anfühlte, konnte er nichts weiter feststellen.

Er mußte in eine scharfe Rechtskurve gehen, weshalb er die Hand zurück ans Lenkrad beorderte. Da danach eine Linkskurve folgte, die er etwas aggressiv nahm, schwankte die Frau auf ihrem Sitz nach links. Durch diese Bewegungen kam sie wieder zu sich und sah sich um. Sie lächelte etwas schief und zupfte den schwarzen Rock zurecht.

Offensichtlich hatte sie Brüste wie Herzler feststellte. Soetwas hatte er bisher nur in Heften und im TV  gesehen. Er sah sie durch die immer noch verschwitzte Bluse durchblinken.

In seinen Augen war das ein kleines Wunder, denn bei ihm gab es nicht viel auf der Brust und seine Brustwarzen waren klein, wenn er das bisher überhaupt schon wahrgenommen hatte.

Und um dieses Wunder näher zu erleben, griff er an der nächsten Ampel einfach hin, nicht feste, sondern sanft. Er hatte seine Kräfte bisher nie getestet, dafür war sein Griff relativ sicher.

Er drückte ein bisschen und sie quiekte etwas, fast so wie ein Badewannenentchen. Sie lallte:

Hallo, Herr Taxifahrer. Das ist aber unsittlich,

und lachte leicht.

Weil sie darüber sprach und weil die Ampel umsprang und ein Wagen hinter ihnen hupte, nahm er seine Hand wieder weg und blickte geradeaus.

Sie schaute ihn jetzt an, und zwar mit einem lustigen Gesichtsausdruck um die Augen. Sie legte sogar die Hand auf seinen Oberschenkel und kicherte dann rhythmisch.

Wir sind gleich da: WANN MACHST DU FEIERABEND ?

Na ja, also gleich. Vielleicht nehm ich noch eine tour an, wegen dem geld. Ich hab heute noch nicht so viel...

da vorne kommt eine tankstelle,

sagte sie und sprach dabei etwas klarer

halt da an, wir kaufen noch ne flasche wein.

Er tat es, und sie stellte sich in die kleine Schlange vor dem Nachtschalter. Sie wippte von einem auf das andere Bein und grinste. Mit glasigem Blick bestellte sie irgendeinen Acht-Marks-Wein aus Frankreich und stolperte beim Einsteigen, weil sie mit dem Schuh am Bodenblech hängenblieb.

Herzler fuhr wieder los und fragte blöd:

Wollen sie noch ein glas trinken, wenn sie zu hause sind ?

Bring mich bitte hoch, ich schaff's sonst nicht mehr.

Herzler stotterte ein „Na-natürlich“, und wenig später hielt er den Wagen auf ihr Kommando hin an. Er stand unmittelbar vor ihrem Haus, ihm stand aber nichts und er stellte den Motor ab.

Seine Kundin war wirklich schon ganz gut abgefüllt, denn sie brauchte zwei Minuten, bis sie die Haustür aufgeschlossen hatte. Er sagte nichts, aber dachte, ob wohl in ihrer Wohnung einige interessante Studienbücher zu finden wären. Außerdem überlegte er, wie viel Touren er noch brauchte, um auf seinen Schnitt zu kommen.

Zu diesen Überlegungen gesellte sich dann ein Schauer, der ihm durch den Körper lief, als sie vor dem Treppenhaus die Bluse um zwei Knöpfe öffnete und sich bei ihm einhakte.

Bring mich bitte hoch - zweiter Stock -ich bin müde...

Während sie hochstolperten, sah Herzler eine ihrer Brüste, die sich durch die geöffnete Bluse nach draußen gewagt hatte. Ob sie groß waren, wußte er nicht, vielleicht so groß wie ein Apfel, ein Royal Gala oder ein Granny Smith. Vielleicht war es ja sogar ein Apfel, aber er war von anderer Farbe, eher von der ihres Gesichtes.

Als sie endlich oben waren und sich die Wohnungstür hinter ihnen schloss, sagte sie zu ihm, der die ganze Zeit die Weinflasche in der linken Hand getragen hatte:

Mach doch schon mal die Weinflasche auf. Öffner ist im Kühlschrank, nein ich mein in der Küche. Ich geh mal kurz ins Bad.

Ihr Appartement besaß einen großen Wohnraum, eine Küche und ein Bad - so ähnlich wie bei Herzler selber. Sie fragte ihn plötzlich nach seinem Namen. Er sagte „Herzler“, und sie sagte „Antje“. Dann verschwand sie im Bad und der Taxifahrer suchte in der Küche einen Korkenzieher, fand aber keinen. Konnte er auch nicht, denn der alkoholunerfahrene Herzler wußte gar nicht, wie so etwas aussieht.

Während die Brause im Badezimmer lief, suchte er im Bücherregal nach Fachliteratur zum Thema  „Schaltungen im Regelkreis“ , fand aber nichts und schaute aus dem Fenster. Unten stand sein Wagen mit eingeschaltetem Taxilicht, das bei einem poetisch veranlagten Menschen vielleicht süße Nachtassoziationen ausgelöst hätte. Bei Herzler nicht, dafür hatte die Brause aufgehört und im Spalt der Badezimmertür erschien Antjes Gesicht, das bat:

Eh Du, Herzler, leg doch ein bisschen Musik auf.

Sofort begab sich unser unerfahrener Student an die Musikanlage. Da er zumindest theoretisch etwas von Elektrogeräten verstand, gelang es ihm tatsächlich, die Maschinen einzuschalten. Er drückte beim CD-Player auf „Start“. Herzler hatte Glück: es lag eine CD im Fach und der Verstärker war auf CD eingestellt.

Als die Musik begann, ging Herzler zu den Lautsprechern und betrachtete die Bassmembran. Er wußte, daß sich diese bewegen konnte.

Antje faßte ihn bei der Hand. Sie trug ein T-Shirt, das für „Rohrreinigung  peters“ warb. Herzler fragte:

Arbeitest Du für die Rohrreinigung ?

Sie kicherte nur beschiggert und führte ihn zum Schlafsofa.

Schieb den Tisch beiseite, damit ich das Sofa ausziehen kann. Übrigens: von wegen ausziehen: zieh doch bitte Deine Schuhe aus !

Er tat sofort, wie sie befahl. Dabei beobachtete er wie sie leicht gebückt das Sofa auseinanderschob. Das T-Shirt rutschte über ihren Po und Herzler sah, wie rund der ihrige sich in der Unterhose, die viel kleiner war als die , die er immer trug,  abzeichnete. Auch die Waden und Fersen zeigten sich sehr fein. Auch waren ihre Beine offensichtlich gar nicht behaart so wie bei ihm.

Dann kam sie auf ihn zu, sagte leicht „komm jetzt“ und zog ihr T-Shirt aus. Sie stand jetzt bis auf den Slip nackt vor ihm und jedem Erzähler muß es schwerfallen, hier weiter zu reden, anstatt sofort zu seiner Freundin zu fahren oder eine 0190er Nummer, sechs mal die sechs, anzuwählen. Herzler aber stand da wie eine abgestorbene Palme und schielte aus dem Fenster. Sein Gehirn spuckte Gedanken zum Unterschied zwischen Mann und Frau aus, und in seiner Hose bewegte sich etwas. Er dachte, er müsse pissen und sagte:

Ich müßte urinieren.

Soll ich dir helfen ?,

fragte sie leicht quietschend und da keine Antwort kam:

Na, geh mal. Bis gleich.

Auf dem Klo mußte Herzler feststellen, daß sein Urinierutensil nicht pinkeln wollte, dafür aber etwas größer war als gewöhnlich. Das irritierte ihn, und er machte seine Hose schnell wieder zu.

Als er aus dem Bad kam, lag Antje schon bar jeder Kleidung auf dem ausgezogenen Schlafsofa und hatte die Augen geschlossen. Herzler blieb vor dem Bett stehen und sagte:

Ich muß jetzt weiter arbeiten,

aber irgendetwas in ihm verweigerte den Gehorsam und ließ ihn auf dieses wohlmodellierte Haardreieck in ihrer unteren Körpermitte blicken.

Er hatte so etwas noch nie gesehen und wollte unwillkürlich dahin fassen, aber sein Gehirn ließ das nicht zu. Es faselte etwas von

'Du mußt arbeiten; Du hast die Fahrt noch nicht kassiert; morgen wartet das Buch über Kolbenbewegungen  im ottomotor  auf Dich. Los, Du Versager, geh jetzt'

So etwas in der Art gab er tatsächlich auch verbal von sich, sie aber ignorierte seine Ausführungen mit der Aufforderungsfrage

Willst Du nicht zu mir kommen? Aber zieh Deine Hose aus!

Sie ließ die Augen geschlossen und streckte nur die Hand aus. Herzler dachte:

'Das war eine Tour über 24,80 DM. Das Geld muß ich haben' und kniete neben ihrem Bett nieder.

Ich bekomme noch 24,80 von ihnen.

Kriegst du morgen. Gib mir deine hand !

Er gab sie ihr, und sie führte sie zu diesem Dreieck aus gekräuseltem hellbraunen Haar. Sie nahm seine Finger und leitete sie zu der Region, die unter dem Haar verborgen lag.

Er spürte eine fleischige, leicht gewölbte Körperpartie, auf der sie seine Finger ruhen ließ.

Sie sagte schwach „bitte“ und drückte zwei seiner Finger in die Mitte dieser leichten Wölbung. Und jetzt spürte er wie das Fleischige weich war und feucht dazu; er begann zu tasten und plötzlich rutschte sein Widerstand weg - er dachte blitzartig an Ohm'sche Widerstände - und war mit zwei Fingern eingesunken.

Sie  begann ihren Unterleib unrhythmisch vor zu bewegen, und draußen fing es an zu regnen. Er rührte seine Finger ein wenig und sie bewegte sich weiter. Er blickte auf ihren fallenden und sich hebenden Busen. Dabei dachte er, daß sie doch eher wie Mandarinen aussahen und kniete immer noch neben ihrem Bett.

Herzler tat nichts weiter. Durch sein Gehirn brausten unwillkürlich Fetzen von Szenen aus einer Biologiestunde vor vielen Jahren und spürte sogar die wallende Feuchtigkeit, die unter seine Fingernägel drang.

Sie atmete tiefer und stoßhafter als vorher und bewegte ihren Körper in verschiedene Richtungen, während er seine Finger stillhielt.

Macht es Dir was aus, daß ich meine Regel hab,

fragte sie dann und hörte auf, ihren Körper vorzuschieben.

Was mußt Du denn regeln?,

fragte Herzler und verspürte das Bedürfnis, ihr zu helfen.

Sie sagte aus dem Nebel nur

Na ja, Blut, stört es Dich?

und er antwortete

Wieso? Bist Du verletzt ?

Sie erwiderte nichts, und sie blieben so wie sie waren, er mit seinen Fingern in ihrem feuchten Nest und sie regungslos auf dem Rücken. Er betrachtete ihre Haare, die sich auf der leicht verschwitzten Stirn ungeordnet verfingen.

'Vielleicht hat das ja etwas mit den Kaninchen aus der Biologiestunde von Herrn Göbel zu tun', dachte er. Hat Herzler schon damals nicht richtig verstanden, was ihn ungemein ärgerte, da er immer alles verstehen wollte.

Wenn Du mich ficken willst, nimm aber ein Kondom

sagte Antje dann, und mit einer Bewegung ihres Körpers hatte sie Herzlers Finger aus sich raus gestoßen.

Herzler dachte: 'Immer diese neumodischen Worte; na ja, so sind die jungen Studenten.'

Er wollte es jetzt aber genau wissen:

Wieso? Was meinst Du mit ficken?

Sie drehte sich aber ohne noch etwas zu sagen auf die Seite und schlief ein.

Herzler schaute auf seine Finger, die sich eben noch unterhalb und irgendwie innerhalb dieser ästhetischen Wölbung befunden hatten und bemerkte dann, daß eine zähe, dunkelrote Flüssigkeit daran klebte.

Er führte seine Finger an die Augen und betrachtete den schleimigen roten Film, der sich unregelmäßig um seine Finger wand. Er roch daran und stellte dabei fest, daß er diesen strengen Geruch bisher noch nie geatmet hatte. Während er von Antje tiefe regelmäßige Lungenzüge vernahm, stand er auf und ging ins Bad.

Dort wusch er seine Hände, denn er wollte das Lenkrad seines Taxis nicht beschmutzen.

Herzler verließ daraufhin die Wohnung von Antje, die schon schlief und machte anschließend noch zwei Touren. Zu Hause studierte er dann seine Ausgabe von Humanbiologie, die er noch aus der Schulzeit besaß und erfuhr dabei, daß Frauen einen Zyklus der Fruchtbarkeit haben und deshalb manchmal bluteten.

Er fand das sehr interessant und schnupperte an seinen Fingern.

Noch nach ein bis zwei Tagen haftete ihnen ein anderer Geruch als normal an; das fiel Herzler auf. Er begriff im Nachgang der Lektüre, daß er - zumindest in der Theorie - auch seinen Urinierunterstützer anstatt seiner Finger hätte einsetzen können. Dafür hätte dieser allerdings über eine Härte ähnlich vielleicht wie die seiner Finger verfügen müssen. Das wiederum grenzte für Herzler an ein wissenschaftliches Wunder. Denn daß sein Ding, was zum Pinkeln zwischen seinen Beinen baumelte, groß und hart werden könnte, hatte er nie bewußt erlebt. Insofern war das Wunder der Regel für ihn ein regelrechter Fall von wissenschaftlicher Erkenntnis.

Das Irritierende an diesem Erkenntnisgewinn im Vergleich zu allen früheren war für ihn, daß Herzler dabei Gefühle entwickelte, die darin gipfelten, seine Kundin wiedersehen zu wollen. Das ging natürlich nicht. Er mußte die Zeit schließlich zum Lernen von physikalisch-chemischen Reaktionen nutzen. Aber die Erfahrung der Regel reizte und verwirrte ihn weiter.

Er las alles, was das Wort Regel enthielt und beschnupperte dabei immer seine Finger. Der Geruch kam nicht wieder; er wußte das auch, es war ein Automatismus, der seine Hand immer wieder zur Nase führte.

Herzler gelang es nach reichhaltigem Studium von Büchern den Körper einer Frau biologisch-technisch zu verstehen und manchmal bekam er jetzt sogar bei vollem Bewußtsein einen Ständer.

Es ging sogar so weit, daß Herzler mit dem Taxi dauernd vor dem Roxy's wartete, er von überall, wo er einen Fahrgast abgeladen hatte, zu diesem Platz zurückkehrte. Antje aber traf er nicht wieder, und in ihre Straße traute er sich nicht mehr.

Aber einmal nahm ihn eine ältere Frau mit nach oben und wer weiß, vielleicht hat sich dort das Wunder der Regel fortgesetzt und er da sogar das erste Mal seinen baumelnden Ständer in spe eingesetzt. Er hat sich nie dazu geäußert, ich gehe aber davon aus, daß es mit der älteren Frau tatsächlich geschah, wenngleich - ich gebe es gerne zu - jede Spekulation überflüssig ist.

Aber seien wir ehrlich: würde es nicht jeder unserem Herzler von Herzen gönnen, wenn er die Erfahrung zu ficken endlich hätte machen dürfen.

Die Regel zumindest hatte ihn begeistert, es war, wie er es dem Professor später sagte, bis dahin der aufregendste Tag in seinem Leben.